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Abgabe

  • Die meisten Papageien wechseln im Laufe Ihres Lebens mehrmals den Besitzer. Die Papageien verlieren ihr Zuhause und ihre Bezugspersonen. Das ist für sie oft nicht einfach, wobei Papageien aus Einzelhaltung eine Abgabe wesentlich schwerer verkraften. Manche fressen nach einem Umzug tagelang nichts, da sie traurig sind und vor der neuen Umgebung und den neuen Personen und anderen Vögeln Angst haben. Andererseits gibt es auch Papageien, die sich sofort umgewöhnen können und denen ein Umzug offensichtlich nicht viel auszumachen scheint.
  • Bitte überlegen Sie vor einer Abgabe genau, ob das die richtige Lösung ist oder ob sich „kleinere“ Probleme lösen lassen ohne den/die Papageien abgeben zu müssen. Geben Sie ihren Vogel nicht unbedacht weg.
  • Sollte es keine andere Lösung geben als den Papagei abzugeben:
  • Vorsicht vor Leuten, die im Internet inserieren „nehme ihre Vögel auf“. Oftmals sind die Bilder, die dort zu sehen sind, von anderen Personen gestohlen und es gibt die abgebildeten hübschen Volieren dort gar nicht. Die Papageien werden kostenlos aufgenommen und nach kurzer Zeit an irgendjemanden weiterverkauft. Derjenige ist nicht mehr für Sie erreichbar, da er Sie gesperrt hat. Sie können sich nicht mehr erkundigen, ob es ihrem Vogel gut geht oder, sofern er noch erreichbar ist, werden Sie belogen. Der Vogel ist für immer verschwunden. Alternativ haben diese Personen doch Volieren und nehmen alle Vögel auf, die sie in Gruppenvolieren quer durcheinander halten. Viele kleine, zurückhaltende oder unterlegene Vögel bezahlen diese Haltung mit ihrem Leben.
  • Ein Schutzvertrag und ein guter Rechtsanwalt im Notfall bieten bei einer kostenlosen Abgabe eine gewisse Sicherheit. Bei einem Verkauf kann der Käufer alles mit den Papageien machen was er möchte, also verkaufen, Paare trennen, halten wie er möchte etc. – Wünsche und Bedingungen ders Verkäufers bleiben ohne Anspruch auf Erfüllung.
  • Beschreiben Sie Ihre Vögel genau bei einer Abgabe, damit sowohl der neue Besitzer als auch die Vögel es einfacher haben sich einzugewöhnen. Verschweigen Sie auch unliebsame Eigenschaften und den Grund der Abgabe nicht.
  • Melden Sie sich gern bei mir, ich helfe Ihnen bei Fragen und auch wenn Sie Ihren Vogel abgeben müssen.

Anmeldung

  • Alle großen Papageien sind meldepflichtig (die kleinen Sperlingspapageien nicht, ebenso wie viele oft gehaltene Sittiche).
  • Zum Anmelden benötigt man einen Herkunftsnachweis oder eine Abgabebescheinigung vom Verkäufer/Züchter- es muss daraus hervorgehen, woher diese Papageien kommen. Es sollten alle wichtigen Daten des Tieres aus dem Papier hervorgehen: Art, Unterart, Alter, Geschlecht und Ring- bzw. Chipnummer.
  • Für besonders geschützte Arten wie z. B. den Graupapagei und verschiedene Kakadu-Arten benötigt man außerdem noch eine „Vermarktungsbescheinigung“, die das Amt vor der Abgabe des Papageis ausstellt und beim jeweiligen Besitzer verbleibt. Ohne Vermarktungsbescheinigung dürfen diese Papageien nicht weitergegeben werden!
  • Hier finden Sie heraus, ob Sie eine Vermarktungsbescheinigung benötigen oder nicht:

https://www.wisia.de/prod/FsetWisia1.de.html

Für alle Vögel, die in der Spalte „EG“ mit einem „A“ markiert sind, benötigt man eine Vermarktungsbescheinigung.

  • Verstöße gegen die Meldepflichten stellen Ordnungswidrigkeiten dar und können mit Bußgeldern geahndet werden.
  • Geschützte Tiere, die sich den vorhandenen Belegen (Bescheinigung vom Verkäufer) nicht zuordnen lassen, deren Herkunft also zweifelhaft ist, können beschlagnahmt und eingezogen werden!!
  • Bei Ihrem nächstgelegenen Veterinäramt können Sie die zuständige Behörde für Ihren Wohnort erfragen.

Bundesartenschutzverordnung:

https://www.gesetze-im-internet.de/bartschv_2005/__7.html

 

Anschaffung

Überlegungen vor der Anschaffung:

  • Papageien werden sehr alt
  • Sie können sehr laut werden und verursachen viel Schmutz
  • Tierarztkosten sind nicht zu unterschätzen
  • Ist genug Platz für eine ausreichend große Voliere für 2 Vögel vorhanden (Mindestens 2 x 1 x 2 Meter Volierenmaß)
  • Regelmäßiger Freiflug muss bei Wohnungshaltung gewährleistet sein
  • Oder ist ein Zimmer für Papageienhaltung frei?
  • Im besten Fall vielleicht sogar Platz für eine Außenvoliere mit beheizbaren Schutzhaus?
  • Wer versorgt die Tiere, wenn man selbst nicht dazu in der Lage ist, z. B. durch Krankheit, Urlaub
  • Viele Abgabevögel warten in Tierheimen oder von privat in Kleinanzeigen (z. B. www.Federnhilfe.de) müssen es unbedingt junge Papageien von einem Züchter sein?

Aspergillose

Aspergillose ist eine Infektion mit Schimmelpilzen der Gattung Aspergillus, die sich in der Nasenhöhle, der Lunge und der Luftsäcke sowie im fortgeschrittenen Stadium auf verschiedene Organe ausbreiten kann.

Symptome können sein:

  • hörbare Atemgeräusche, auch in Ruhephasen
  • Kurzatmigkeit und Atemnot

Begünstigt wird diese Erkrankung häufig durch zu trockene Raumluft, ein schlechtes Immunsystem, keine Flugmöglichkeit, mangelhaftes Futter, Erdnüsse in Schale usw.

Viele vogelkundige Tierärzte haben einen ausführlichen Bericht zu Aspergillose auf ihrer Seite, denn diese Krankheit ist ziemlich weit verbreitet.

Da diese Krankheit meist fortschreitet und zudem chronisch werden kann, sollte bei Verdacht dringend ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden.

Hier ein ärztlicher Beitrag dazu:

Quelle: Tierärztliche Gemeinschaftspraxis, Dres. Pieper und Fluck, Pützdelle 32, 51371 Leverkusen, https://www.docpieper.de/

Eine der häufigsten Erkrankungen der im Haus gehaltenen Papageien in unseren Breiten ist die Infektion der Atemwege mit Schimmelpilzen, die sogenannte Aspergillose. Sie entsteht durch eine Schädigung der Schleimhäute durch Ernährungsmängel, fehlende Luftfeuchtigkeit oder Immunsuppression (und vieles mehr) und den darauffolgenden Kontakt der Schleimhäute mit Pilzsporen, zumeist Aspergillusarten., daher der Name. Pilzsporen sind in geringem Umfang überall in unserer Umwelt vorhanden. Blumenerde, Hausstaub, Erdnüsse und Körnerfutter sind die Hauptkontaminationsquellen für unsere Vögel.

Die ersten Symptome dieser zumeist chronisch verlaufenden Erkrankung können vermehrtes Niesen oder Gähnen, Hals strecken und starkes Kratzen im Gesichtbereich sein. Im weiteren Verlauf, der Pilz wächst in den Atemwegen weiter, können Atemprobleme nach dem Fliegen und würgen hinzukommen. Wichtig ist eine frühzeitige Diagnose, um das Pilzwachstum durch geeignete therapeutische Maßnahmen zu stoppen und die bestehenden Veränderungen abzubauen. Das Mittel der Wahl für eine aussagekräftige Diagnostik sind gute Röntgenaufnahmen, durch die Veränderungen des Lungen- und Luftsackgewebes dargestellt werden können. Wenn eine Aspergillose über längere Zeit unbehandelt bleibt kommt es neben Sauerstoffmangel im Organismus in den meisten Fällen zu Leber-und Nierenschäden durch die Abbauprodukte der Pilze und eine mögliche Toxinwirkung. Bei jungen oder stark immungeschwächten Papageien kann es auch zu einer plötzlichen massenhaften Vermehrung der Pilze und ihrer Giftstoffe im Körper kommen, der Mykotoxikose.

Es gibt heute Therapeutika , die in vielen Fällen zu einer Ausheilung der Erkrankung führen können. Wichtig ist allerdings eine begleitende Unterstützung des Immunsystems und eine Verbesserung der Haltungsbedingungen.

B

Beißen

Die meisten Halter werden irgendwann mal gebissen – solange es selten passiert, ist das normal. Wenn es öfter vorkommt, sollte man überlegen in welchem Zusammenhang der Vogel gebissen hat. Deshalb ist es auch wichtig, seine Papageien zu verstehen und die typischen Verhaltensweisen zu respektieren.

Gründe können sein:

  • Der Vogel möchte sich gar nicht oder nicht immer, oder an jeder Stelle anfassen lassen
  • Manche Vögel lassen sich nur von einer Person im Haushalt anfassen, der Bezugsperson
  • Angst vor dem neuen Halter oder fremdem Besuch, wenn das Tier bedrängt, wird
  • Erschrecken
  • Eifersucht
  • Säubern der Voliere, während die Vögel sich darin aufhalten (Territorialverhalten oder Angst)
  • In der Brutzeit (unabhängig, ob sie brüten oder nicht) können Vögel auch aggressiv reagieren

Sollte es trotz Beachtung dieser und ähnlicher Gründe immer wieder zum Beißen kommen, kann es sinnvoll sein, sich professionelle Hilfe zu holen. Es gibt Papageientrainer im Netz.

Mehr zum Thema finden Sie auch auf der Seite: Erwartungen an Papageien und Wissenswertes: Körpersprache.

Beschäftigung

Papageien sind intelligente Tiere, die nicht nur die Möglichkeit haben müssen zu fliegen oder sich anderweitig zu bewegen, sondern sie sollten auch geistig gefordert werden.

Man kann mit Ihnen verschiedene Tricks üben wie auf der Stange drehen, Pfötchen geben, Flügel heben etc. Das sollte man nur machen, wenn beide Parteien daran Spaß haben! Belohnen Sie die Vögel nach jedem kleinen Erfolg mit einem Leckerli.

Mit zahmen Papageien kann man Spielen, z. B. Sachen runterwerfen und wieder aufheben, Futter in Küchentücher einrollen und aufknabbern lassen, Futter am Band an eine Stange anbinden und heraufholen lassen, Futter unter einer Zeitung verstecken und finden lassen etc etc etc, der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Auch mit den Vögeln singen, mit etwas Lärm machen (Glocke z. B.) oder ihnen etwas vortanzen wird beiden Parteien viel Spaß machen. Tipp: Basteln Sie für Ihre Papageien selbst Spielzeuge! (Foto als Beispiel siehe unten / Foto von Sarah Cooley)

Im Käfig / in der Voliere können Futterverstecke eingerichtet werden, sodass die Vögel beschäftigt sind. Selbst Knabbern an frischen Ästen wie Weide kann Vögel stundenlang beschäftigen.

Viele Vögel leiden unter Langeweile und fangen im schlimmsten Fall an zu Rupfen oder Schreien- überlegen Sie wie sie das Leben für Ihre Vögel interessant und abwechslungsreich gestalten können.

Brutstimmung

Brutzeit ist Wutzeit wie es so schön heißt.

Auffangstationen erhalten jährlich viele Anfragen von Menschen, die ihre Papageien abgeben wollen – vor allem aufgrund hormoneller Veränderungen (Brutstimmung) im Frühjahr, wenn die Vögel anfangen zu kreischen, zu rupfen, obsessiv und aggressiv zu werden -was übrigens auch in Einzelhaltung durchaus vorkommen kann- .

Die Wahrheit ist:

Man kann nichts tun, um dieses Verhalten ganz zu stoppen. Es ist natürlich! Und das ist vielen Haltern vor der Anschaffung nicht bewusst.
Alles, was man tun kann, ist geduldig zu sein und folgende Schritte zu unternehmen, um das hormonelle Verhalten so weit wie möglich einzudämmen:

  • Wenn einer oder gar beide Papageien anfangen zu beißen oder aggressiv werden dann erzwingen Sie kein Sozialverhalten mit Ihren Tieren. Lassen Sie die Vögel zunächst in ihrer Voliere, bis die Aufregung sich gelegt hat. Was natürlich nicht dazu führen darf den Tieren keinen regelmäßigen Freiflug mehr zu gewähren.
  • Überdenken Sie die Beleuchtung. Vögel brauchen künstliches oder echtes Sonnenlicht, um gesund zu bleiben – aber während des Frühlings löst die längere Sonneneinstrahlung dieses Nistverhalten aus. Reduzieren Sie also die Sonnenlichtzeit und stellen Sie sicher, dass die Papageien 12 Stunden ruhigen Schlaf bekommen (kein Fernseher, kein Licht, kein Lärm). Ein richtiger Schlafplan kann hormonell gesteuerte Vögel erheblich beeinflussen.
  • Wenn Ihre Papageien Orte suchen, an denen Sie sich verstecken können, z. B. hinter oder unter Schränken: beenden Sie es sofort, lassen Sie nicht zu, dass die Vögel ein Nest bauen.
  • Spielzeuge überwachen: Vögel haben Lieblingsspielzeuge, wenn sie aber anfangen besitzergreifend zu werden, entfernen Sie das Spielzeug.
  • Ändern Sie die Ernährung. Jetzt ist es an der Zeit, fett- und eiweißreiche Lebensmittel zu reduzieren.
  • Verwenden Sie eine Stange statt die Papageien auf die Hand zu nehmen. Lassen Sie die Vögel nicht auf der Schulter sitzen, es besteht eine Verletzungsgefahr im Gesicht!
  • Streicheleinheiten: (allgemein, nicht nur in dieser Zeit) Nur den Kopf streicheln. Das Streicheln an der Brust, den Schwanzfedern und Flügeln regt die Hormone an und bleibt dem Vogel-Partner als Sexualpartner vorbehalten.

Bücher

Eine gute Auswahl an Vogelbüchern gibt es hier:  https://www.arndt-verlag.de/shop/vogelbucher, z.B. auch Obst, Gemüse und exotische Früchte für Papageien und Sittiche von Volker Würth, Arndt Verlag (sehr zu empfehlen)

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